Pullover aus Vierecken stricken und häkeln

Lässig wie ein T-Shirt, einfacher Schnitt: Der 4×4-Pullover aus Vierecken

Meine Schulfreundin Bettina brachte mich zum Stricken. Zuvor war ich eine Niete in Handarbeiten. Feines Stickwerk, Topflappen oder gestrickte Untersetzer sahen immer abgegriffen grau, unregelmäßig, mau aus. Aber Bettina trug eines Tages einen coolen Pullover, und wenn sie gefragt wurde, dann sagte sie stolz: “Den hab ich selbst gemacht.” Wow. Sie habe einfach vier Rechtecke gestrickt, zwei breitere und längere als Vorder- Und Rückenteil, zwei schmale und kurze für Ärmel. Zusammengenäht und fertig. “Das”, dachte ich, “kann ich auch.” Und tatsächlich – so entstand mein erster Pullover: kurzärmelig in Blau und Weiß. Bilder davon existieren leider nicht mehr. Nach demselben Prinzip strickte ich noch eine Jacke mit Zöpfen – und danach gab’s kein Halten mehr: Da hatte mich das Strickfieber gepackt, nach und nach wurden die Schnitte raffinierter, und im Schrank stapelten sich mehr selbstgemachte Pullis. Aber der 4×4-Pullover begleitet mich noch heute: wenn ich für Babys und Kinder oder für Freunde stricke und häkle.

Der einfache Pulloverschnitt

Der 4×4-Pullover ist ein Klassiker für Einsteiger unter Crafistas, die sich an Mützen, Loops und Schals abgearbeitet und Neues stricken oder häkeln wollen, aber auch für Design-Puristen, die einfache schnitte mögen: Der 4×4-Pullover ist ein lässiger Pullover mit überschnittenen Schultern, locker sitzenden Ärmeln und einem geraden U-Boot-Ausschnitt. Er sieht aus wie ein T-Shirt und eignet sich gerade wegen seiner geraden Linien gut für alle grafischen oder plastischen Strick- und Häkelmuster, weil er einfach geradeaus gestrickt wird. Der 4×4-Pulover lässt sich außerdem aus gehäkelten oder gestrickten Grannysquares zusammensetzen oder in feinen Lace- und Spitzenmustern arbeiten: Der Fantasie und den Mustern setzt dieser einfache Schnitt keine Grenzen, auch bei den Materialien kann frei gewählt werden. Er sieht in feinen wie auch in dicken Garnen gut aus. Beim Stricken sorgt ein Bund aus Links- und Rechtsrippen an den unteren Enden der Stücke für Halt, ohne die Rippen rollt sich Glatt-Rechts-Strick (Hinreihe rechte Maschen, Rückreihe linke Maschen) nach oben, aber auch das ergibt eine hübsche Kante. Beim Häkeln werden die Kanten aus festen Maschen oder Stäbchen und ohne Muster gearbeitet. Doch zuvor geht’s ans Ausmessen.

Schnell gerechnet, schnell gearbeitet

Pullover ausmessen für Strick- und Häkelmode

Für den 4×4-Pollover benötigt ihr nur sechs Maße: 2,5,9 sowie B, C und E

Im Beitrag Wenn’s sitzen soll wird erklärt, welche Maße für einen Pullover wichtig sind: Für den 4×4-Pullover braucht ihr lediglich die Breite des Vorder- und Rückenteils (im Bild: Linie 2), der Schultern (5) und des Ärmels (9) sowie die Höhe bis zu den Armausschnitten (B), die Armausschnitte (C) sowie die Länge der Ärmel (E). Nach einer Maschenprobe eures Garnes rechnet ihr mit Knitulator, der Strick- und Häkel-App, wieviele Maschen und Reihen ihr für das Vorderteil-Rechteck benötigt, dieselben Angaben gelten auch für das Rückenteil.

Für einen locker sitzenden Damenpullover Größe 42 benötigt ihr beispielsweise eine Breite von 53 Zentimeter und eine Länge von rund 70 Zentimeter. Bei einer Maschenprobe von 17 Maschen und 28 Reihen für jeweils zehn Zentimeter müsstet ihr 90 Maschen anschlagen und 196 Reihen arbeiten. Die letzte Reihe beim Stricken locker abketten.

Genauso berechnet ihr die Maschen und Reihenzahl für die beiden Ärmel. Für einen Pullover Größe 42 müssten die Ärmel 40 Zentimeter breit und etwa 47 Zentimeter lang sein. Dafür sind 68 Maschen anzuschlagen und 80 Reihen zu arbeiten. Mit diesen Angaben generiert euch der Streifen-Generator schöne unregelmäßige Streifen, wenn ihr mehrfarbig arbeiten wollt.

Vierecke für einen Strick- und Häkelpullover

Zwei kleine, zwei große: Aus diesen vier Rechtecken wird ein lässiger oder musterhafter Pullover

Nach dem #Stricken und #Häkeln werden zunächst die Fäden verwahrt, danach wird der Pullover zusammengenäht oder gehäkelt – wie’s euch beliebt. Eine genähte Naht trägt weniger auf. Techniken findet ihr hier fürs Stricken oder fürs Häkeln hier. Beginnt zuerst mit den beiden Schulternähten, näht dann die obere Kante der Ärmel an das Rücken- und Vorderteil: Dafür Ärmel zur Häfte umbiegen einen Faden in die so ermittelte mittlere Masche und in die Schulternaht einziehen und mit einer Schleife zusammenbinden. So wird der Ärmel symmetrisch eingefügt. Zum Schluss könnt ihr in einem Aufwasch die Seiten- und Ärmelnähte schließen. Nach dem gleichen Prinzip könnt ihr auch die Mitte der Seitennähte markieren und zusammenbinden, dann vertut ihr euch nicht mit den Höhen. Alles zusammengenäht? Fertig ist der 4×4-Pullover.

Zusammennähen eines Pullovers

Zusammennähen der Vierecke: Zuerst die beiden Schulternähte schließen, dann könnt ihr die Mitte der Ärmel markieren und mit einem Faden mit der Naht verbinden

Viele Veränderungen und Variationsmöglichkeiten

• Über kurz oder lang: Beim 4×4-Pullover kann alles variiert werden – die Länge von Vorder- und Rückenteil oder Ärmeln. Gewünschte Länge am besten an sich selbst messen oder an einem passenden Kleidungsstück. Schick sind zurzeit etwas längere Rückenteile.

• Längs? Quer! Auch die Strickrichtung kann variiert werden. Vorder- und Rückenteil sowie Ärmel können – etwa für Längsstreifen – auch quer gestrickt werden, müssen dann aber anders rum berechnet werden: Die Breite ist dann die Höhe und umgekehrt. Und: Quer- und Längsstrick kann auch miteinander kombiniert werden.

• Runde Sache: Weil nicht jeder gerne Strick- oder Häkelteile zusammennäht – arbeitet Vorder- und Rückenteil bis zum Beginn des Armausschnitts in einem Stück und auf einer Rundstricknadel. Beim Stricken werden damit die Maschen regelmäßiger, weil ihr bis auf den Bund nur rechte Maschen strickt. Auf diese Art lassen sich auch Einstrickmuster schneller und einfacher realisieren, weil die kniffligeren Links-Rückreihen entfallen. Auch Ärmel können bei diesem Pullover von oben bis unten rund und als Schlauch gestrickt werden.

• Bündchen und Kanten: Statt Rippen könnt ihr den Bund mit Zöpfen stricken. Noch enger liegt der Bund an, wenn ihr ihn mit einer kleineren Nadelstärke arbeitet. Oder wenn ihr gleich weniger Maschen anschlagt (etwa ein Zehntel weniger) und erst in der letzten Bundreihe die noch fehlenden Maschen zunehmt. Ein Rippenbund bis zur Taille und höher stricken und erst dann zunehmen: Dann liegt der Pullover unten eng an, bauscht sich aber über dem hohen Bund. Der gleiche Effekt wirkt auch bei Ärmeln: Durch einen sehr langen Bund und einer Zunahme bis zur gesamten Ärmelbreite kurz vor dem Ellenbogen entstehen gebauschte Puff-Ärmel (bei kurzen Ärmeln einen kurzen, engen Bund für den Oberarm einplanen).

• Ausschnittkante: Bei Häkel- oder Strickpullovern in Lochmustern die letzten Reihen von Vorder- und Rückenteil in festen Maschen, halben Stäbchen oder Stäbchen arbeiten oder mit Rippen-, Perl- oder anderen plastischen Mustern arbeiten. So bildet der U-Bootausschnitt eine schöne Kante.

• Rollkragen: Aus den Kanten des Ausschnittes Maschen auffassen und rund stricken – so bekommt der Pullover einen lockeren Rollkragen.

• Mit oder ohne: Ohne Ärmel wird aus dem Pullover ein Pullunder oder ärmelloser Pullover. Hübscher sehen die Armausschnitte aus, wenn die ersten Maschen nach der Randmasche in einem Bundmuster oder durchweg in festen Maschen oder Stäbchen gearbeitet werden. So entsteht eine sichtbare Kante und ein gekonnter Rahmen für Muster.

• Aus 4 wird 5: Wer das Vorderteil in zwei schmale Vierecke teilt, strickt eine Jacke oder – ärmellos – eine Weste. In diesem Fall bei jedem der Teile für den Überschlag etwa drei bis fünf Zentimeter mehr einkalkulieren. Werden die ersten Maschen an der Innenseite für eine Kante in einem extra Muster gearbeitet, müssen die Teile gegengleich gearbeitet werden. Das heißt: An einem Viereck ist die Innenkante rechts, am anderen dann links. In eine der Kanten könnt ihr im gleichmäßigen Abstand Knopflöcher einarbeiten. Ist der Überschlag knapp bemessen, eignet sich ein Reißverschluss zum Schließen. Am besten nicht nicht bis zur oben Kante einnähen, sondern bis etwa zur Mitte der Brust, dann fallen die Ecken der Vierecke wie ein Kragen zur Seite.

Euch fallen noch mehr Variationen des 4×4-Pullovers ein? Beschreibt sie uns im Kommentar oder – noch besser – zeigt uns euer Pullover-Design und inspiriert die Community: Eure Bilder könnt ihr hier, noch besser bei bei Facebook oder bei Pinterest posten, wo Knitulator auch zu finden ist. Viel Spaß beim Nadeln!