Ausmessen ist der erste Schritt zum perfekten Sitz von Gestricktem und Gehäkeltem

Wer strickt und häkelt, kann nach seinen individuellen Maßen arbeiten – und perfekt sitzende Mode fabrizieren. Foto: Th.Detert/Fotolia

Eine schöne Vorstellung: Jeder Mensch ist anders. Es gibt Dicke, Dünne, Knochige, Rundliche, Lange, Kurze und solche im Mittelmaß. Aber diese Individualität wird kaum geschätzt und macht im Alltag Probleme: Durch Schönheitsideale ist unser Blick einseitig trainiert. Und außerdem ist gut sitzende Kleidung nur schwer zu finden: “Gerade Frauen passt die weit überwiegende Mehrzahl der Kleider in ihrer Größe nicht. Sie sitzen einfach nicht”, stellt Michalis Pantelouris in seinem lesenswerten Artikel “Das Land der Zurückschicker” im Magazin  der Süddeutschen Zeitung fest. Frauen haben eben mehr Kurven als Männer, das erschwert eine gute Passform und das Arbeiten mit Standardmaßen.

Selbermachende stricken und häkeln gut sitzende Mode

Kleidergrößen entstehen nach dem Prinzip Pi mal Daumen. Die Standards sind Kompromisse, für die zwar Tausende von Frauen, Männern und Kindern vermessen und aus diesen Meßdaten anschließend Durchschnittswerte austariert und geglättet werden. Aber kein Mensch ist durchschnittlich. Daher passt Mode von der Stange nicht gut, zwickt an der einen Stelle oder sitzt an der anderen zu locker. Vergleichbar sind sie auch nicht mehr, denn heute mogeln Hersteller bei ihren Größenangaben: Sie kennen uns zu gut und wissen, dass wir uns schlank fühlen wollen und daher lieber zur kleineren Größen greife. Nicht zuletzt: Die Paßform wird auch noch durch Schnitte und Stoffe beeinflusst. Schmale Hosen, weite Jacken, Figurbetontes stehen nicht jedem.

Die Modehersteller und ihre Kunden werden sich, wenn’s um Größen geht, immer mit Kompromissen abfinden müssen, auch wenn es inzwischen einige Apps und technische Lösungen gibt, mit denen sich passende Größen leichter heraus finden lassen. Der langen Vorrede kurzer Sinn: Selbermachende sind, das zeigt die Crux mit den Kleidergrößen, eindeutig im Vorteil: Wer strickt, häkelt oder näht, trägt nicht nur einzigartige Mode, er kann auch noch für den perfekten Sitz sorgen. Das ist doch ein echtes Argument, zu den Nadeln zu greifen und loszulegen.

Mit Knitulator Anleitungen verändern

Für den perfekten Sitz von Pullover, Rock oder Jacke heißt es messen und rechnen. Dabei hilft Knitulator, die Strick- und Häkel-App. Auch Anleitungen basieren auf den gängigen Standardmaßen, mit denen Modehersteller produzieren. Zwar dehnen sich Strick- und Häkelarbeiten, aber wenn ein Pullover zu sehr über Bauch und Busen spannt, sieht das nicht mehr gut aus. Mit Hilfe von Knitulator können Strick- und Häkelanleitungen einfach und schnell auf individuelle Maße sowie auf andere Garne und Wollqualitäten umgerechnet werden, können also Breiten- und Längenmaße nach persönlichen Wünschen verlängert oder verkürzt werden.

Die wichtigsten Zutaten für Veränderungen sind die persönlichen Maße – hier findet ihr die, die für einen Pullover oder eine Jacke wichtig sind – sowie eine Maschenprobe, die euch zeigt, wieviele Maschen und Reihen jeweils zehn Zentimeter ergeben. Die Angaben der Maschenprobe, die ihr auf den Banderolen findet, basieren ebenfalls auf Durchschnittswerten: Aber jeder strickt und häkelt anders, der eine fester, der andere lockerer. Und oft genug soll ein Modell aus einem anderen, schöneren Garn entstehen, das beim Stricken und Häkeln eine andere Maschen- und Reihenzahl für zehn Zentimeter ergibt.

Rechenfunktion von Knitulator, der Strick- und Häkel-App

Die Daten einer Maschenprobe eingeben und danach schnell rechnen

Der Rechner von Knitulator (siehe links) basiert auf der Dreisatz-Rechnung: Gebt ihr oben auf dem Knitulator-Screen die Anzahl der Reihen und Maschen ein, die ihr für zehn Zentimeter braucht, könnt ihr bei “Abmessung in cm” alle Maße eingeben, die ihr für euer Häkel- oder Strickwerk benötigt. Ergeben z.B. 25 Maschen zehn Zentimeter, braucht ihr 125 Maschen, um 50 Zentimeter zu arbeiten.

Arbeitet ihr mit anderen Garnen, gebt ihr eure Maschenproben-Daten ein und berechnet damit alle Maße aus der Schnittzeichnung der Anleitung. Dasselbe gilt, wenn ihr mehr oder weniger Maschen für zehn Zentimeter braucht als der Durchschnitt und auf der Banderole oder in der Anleitung angegeben.

Soll euer Pullover breiter und länger werden, könnt ihr mit den Daten eurer Maschenprobe die Maße aus der Anleitung schnell verlängern und verkürzen. In diesem Fall empfiehlt es sich, Zunahmen oder Abahmen ebenfalls neu und auf die ganze Länge oder Breite hin zu berechnen.

Für englische Anleitungen könnt ihr oben rechts im Rechner zum englischen Maß Inch wechseln – in diesem Fall sollte die Maschenprobe mindestens vier Inches auf vier Inches groß sein.

Ärmelrundungen oder die Abnahmen bei Ausschnitten sind in Anleitungen nicht immer vermaßt. Wenn da steht: “Fünf mal alle sechs Reihen eine Masche abketten oder abnehmen” braucht ihr die Zentimeter- oder Inchzahl, um den Schnitt auf eure Materialien umzurechnen. Das geht mit der Vice-Versa-Funktion: Dazu gebt ihr im Knitulator-Rechner die Daten der Maschenprobe aus der Anleitung ein und bei “Abmessung in cm” die Zahl der Reihen für eine Abnahme oder die Zahl der Maschen. Statt Breite oder Länge wählt ihr in der Auswahl rechts daneben Reihen oder Maschen. Dann nennt euch Knitulator die gesuchten Zentimeterangaben, die ihr danach auf eure Maschenprobendaten umrechnet.

Mit Knitulator Maße sammeln

Mit Knitulator Projekte Größenangaben abspeichern

Knitulators Projekte speichert die Angaben für neue Werke, aber auch Größenangaben

Selbermachende stricken und häkeln nicht immer für sich allein, sondern auch für Freunde, Familie und Bekannte. Deren Maße solltet ihr kennen, wollt ihr ihnen gut sitzende Mode schenken oder verkaufen.

Dafür bietet Knitulator das Speichern von Projektdaten an: Hier sind unter “Abmessungen” für unterschiedlichste Kleidungsstücke – Pullover, Westen, Socken, Röcke – die wichtigsten Maße aufgelistet. Gebt hier eure Maße ein oder speichert hier die anderer Personen. Zusammen mit den Daten einer Maschenprobe rechnet euch Knitulator sofort die Maschen und Reihen aus, die ihr für eure Modelle braucht.

Neben den Längen- oder Höhenmaßen findet sich ein Plus- und ein Minuszeichen: Das ist der integrierte Reihenzähler, für den es außerdem noch eine eigene Seite gibt. Wer pro gearbeitete Reihe auf Plus drückt, verändert die Angabe links und sieht, wieviele Reihen er bis zum nächsten Maßpunkt noch stricken oder häkeln sollte. Im Beispiel sind bereits 50 von 97 Reihen fertig.

Egal ob in der Abmessungsliste oder auf dem großen Reihenzähler gezählt: Bitte vergesst nicht, eure aktuellen Daten abzuspeichern. Das funktioniert mit dem kleinen Disketten-Symbol unten links. verlasst ihr Knitulator, weist zumindest der Reihenzähler aufs Abspeichern hin. Vergesst es aber auch bei der Projektauswahl und bei der Eingabe der Maschenproben- und Größendaten nicht.