Knitulators Lochschal in leuchtenden Rot- und Orangetönenen

Schick mit Schal: Der Lochschal ist lang genug, dass man ihn auch mit Gürtel und als Westenersatz tragen kann

Kurt Tucholsky, der Schriftsteller, den ich sehr gerne mag, hat sogar eine “soziologische Psychologie” darüber geschrieben:
“Ein Loch”, gab er zu bedenken, “ist da, wo etwas nicht ist. Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nichtlochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie, und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: Es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.” 

Pullunder mit Löchern

Idee 1 von Mjulia Rossi: www.mjuliarossi.blogspot.co.uk

Stimmt – Loch ist immer gut. Hier besteht das Loch aus sechs Maschen, die immer wieder abgekettet und neu angeschlagen werden, und das Nicht-Loch aus vier Rechtsmaschen dazwischen. Alles zusammen gibt einen eleganten, sehr modern und gestylten Schal mit einer bemerkenswerten Kante, wie ich finde.

Normalerweise entstehen Loch- oder Lacemuster aus Umschlägen und Maschenabnahmen, hier werden sie wie Knopflöcher gearbeitet. Dass solche Löcher faszinierende Resultate ergeben, habe ich erstmals bei Pinterest entdeckt.

Lochtuch von Urban Charm

Idee 2: Das Lochtuch von Urban Charm wirkt mit Farben

Pullunder mit Löchern lassen das Darunter durchscheinen; Lochwerke in verschiedenen Farben setzen interessante Effekte; unterschiedlichste Lochgrößen nebeneinander wirken künstlerisch und beflügeln die Phantasie. Nicht zuletzt können Lochgestricke auch noch gefilzt werden. Das alles gab Inspiration genug für den gestrickten Lochschal aus rechten Maschen.

Maße und Maschen

Löcher stricken mit Knitulator

Idee 3: Ungeordnete Löcher ergeben ein faszinierendes Gespinst. Quelle: Mjulia Rossi

Für den Schal habe ich jeweils gleich große Löcher regelmäßig angeordnet und versetzt. Es sollte eigentlich ein

Sommerschal werden, Baumwolle wäre in diesem Fall wahrscheinlich die passendere Wahl ewesen. Doch die sechs-fädige Sockenwolle mit dem leuchtend roten Farbverlauf, (Lang Yarn Jawoll, 75 % Wolle, 25 % Polyamid, 420 Meter/150 Gramm) hat es mir angetan. Sie wird eigentlich für Nadeln Nr 3 bis 3,5 empfohlen, ich habe hier locker mit einer Nadel 4 gearbeitet, weil sich die rechten Krausrippen zusammenziehen.

Bei der Maschenprobe ergaben 22 Maschen und 35 Reihen ein Quadrat von zehn mal zehn Zentimeter. Der Schal ist insgesamt 35 Zentimeter breit und 2,10 Meter lang: Er kann also mit Gürtel getragen werden und lässt sich auch gut um den Hals knoten oder über die Schultern legen. Mit Hilfe von Knitulator, der Strick- und Häkelapp, könnt ihr diese Maße leicht auf jede andere Wollqualität und Garnstärke umrechnen und mehr oder weniger Maschen anschlagen. Allerdings sollte die Maschenzahl immer durch 10 teilbar sein plus sechs Maschen extra: vier Rechts- plus zwei Randmaschen. Für den 2,20 Meter langen Schal habe ich etwa 300 Gramm Wolle verarbeitet.

Den Lochschal stricken

Für 30 Zentimeter habe ich 76 Maschen angeschlagen und erstmal sechs Reihen kraus rechts, also jede Reihe rechts, gestrickt.
Das Muster mit einer Randmasche und vier Maschen rechts beginnen, danach sechs Maschen abketten und wieder vier Maschen rechts stricken, wieder sechs Maschen abketten und so im Wechsel stricken und abketten. Die Reihe endet mit vier Maschen rechts und einer Randmasche.
In der nächsten Reihe werden die abgeketteten Maschen wieder neu angeschlagen: Ich habe sie aufgestrickt, weil die Kante so fester und regelmäßiger wird:

Knitulators Lochmuster für einen Schal

Lochmuster einmal anders: Hier werden Maschen abgekettet und wieder angeschlagen

Dafür die Arbeit wenden, aus der letzten Masche vor der Lücke eine Masche rechts herausstricken, danach die Masche nicht von der Nadel gleiten lassen, sondern auch die neue Schlaufe auf die Nadel legen. Jetzt mit der rechten Nadel zwischen den beiden Schlaufen durchfahren und eine weitere, neue Masche herausziehen und wieder die linke Nadel legen. So zwischen den beiden jeweils letzten Maschen drei weitere Maschen herausholen. Die Arbeit wieder wenden, die rechten Zwischenmaschen abstricken und die Arbeit fürs Maschen Aufnehmen wieder wenden.
In der nächsten Reihen alle Maschen rechts stricken.

Tipp: Oft ziehen sich nach dem Abstricken der neu aufgenommenen Maschen lund den Strick-Stegen lange Fäden, die nicht gut aussehen: Das könnt ihr vermeiden, in dem ihr acht statt sechs Maschen aufnehmt und in der Folgereihe die erste und letzte aufgenommene Masche mit der Rechtsmasche davor oder dahinter zusammenstrickt. Oder: Ihr legt diesen längeren Querfaden in der folgenden Reihe wie einen Umschlag auf die Nadel und strickt ihn mit der folgenden Masche zusammen. Probiert aus, was bei euch besser aussieht.

 Nach den Lochreihen insgesamt sechs Reihen kraus rechts stricken (drei Rippen sind auf jeder Seite erkennbar). Danach wieder abketten, dabei aber die Löcher versetzen.
Dafür die ersten 7 Maschen abketten, vier Maschen rechts stricken – und in diesem Wechsel die Reihe beenden – am Ende sechs Maschen rechts und die Randmasche stricken und erst in der folgenden Reihe die sechs Maschen abkette, damit ihr den Faden nicht abschneiden müsst. In der folgenden Reihe die Maschen wieder anschlagen und rechts stricken. Am Ende der nächsten Rechtsreihe nicht vergessen, die sieben letzten Maschen verspätet anzuschlagen.
Nach insgesamt sechs Rechtsreihen die Löcher wieder versetzt abketten, also nach der Randmasche erst vier Maschen rechts stricken und danach abketten.
Nach 2,10 Meter – bei mir waren das 573 Reihen oder 81 Lochstreifen – die Maschen nach einer kraus rechts Rippe locker abketten.

Nach ein paar Runden ging das Stricken sehr leicht von der Hand – und durch den regelmäßigen Wechsel von Abketten und neu Anschlagen kam ich manchmal sogar in einen richtigen meditativen Flow: sehr entspannend. Sicher ist jedenfalls,  Löcher werde ich sicher nochmal stricken – in einem Pullunder oder einer Weste.

Locker über die Schultern gelegt, geknotet oder mit Gürtel – der Schal lässt sich wundervoll vielseitig tragen und auf dunklen Farben setzt er richtige Highlights.

Viel Spaß beim Machen – und bis zur nächsten Runde.

Lochschal von Knitulator

Der Lochschal macht sich auch am Zaun gut, oder?

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