Der Herbst ist da, die letzten Sonnentage strahlen – und im Park gibt’s wunderschöne Gräser zu entdecken: Das ist die richtige Kulisse, um erstens den Mann vom Schreibtisch wegzulocken und zweitens ihn auch noch zum Modellstehen zu bringen. Die filigranen Gräser geben wie ich finde einen wunderbaren Kontrast zum tropfenförmigen Strukturmuster vom gestrickten Männerpullover.

Dieser Herrenpullover ist aus einem sehr leichten und daher ungemein ergiebigen Alpaka-Seiden-Gemisch gestrickt. Die Seide sorgt für einen leichten Glanz, die Alpakawolle wiederum für Wärme und gemeinsam gleichen sie die Temperatur sehr gut aus. Ihr findet die Wolle auch bei Amazon*. Der Strickpullover passt zum Herbstspaziergang wie ins geheizte Büro. Sein Schnitt ist so einfach, dass ihr ihn mit Knitulator, der Strick- und Häkelapp leicht auf andere Größen und Maße umrechnen und euch auf das Muster konzentrieren könnt. Dieses entsteht im Wechsel von kraus rechts und glatt rechts Gestrick – und geht leicht von der Hand. Nach ein paar Mustersätzen flutschts wunderbar – und ich habe einige Flow-Momente beim Stricken erlebt. Sehr erholsam.

Der Pullover wächst bis zu den Armausschnitten in Runden und in jeder zweite Reihe sind nur rechte Maschen zu arbeiten. Material und Maße passen einer Größe 52/54, können aber mit Hilfe von Knitulator leicht variiert werden.

Material für den Herrenpullover

Knitulator Strickrechner

Mit der Maschenprobe individuelle Maße rechnen

Für Größe 54 wurden hier 700 bis 800 Gramm Austermann Alpaca Silk verarbeitet: Ich bleibe bewusst vage, weil ich eher fest stricke und daher das Garn mit größeren Nadeln verarbeitet habe. Hier kamen Rundstricknadeln der Stärken 4,5 und 5 zum Einsatz. Wie die meisten Alpakagarne ist diese Wolle pro 50 Gramm mit 100 Metern Lauflänge sehr ergiebig. Falls ihr mit einer festeren Merino- oder Baumwollqualität stricken wollt, werdet ihr mehr Material brauchen. Außerdem benötigt ihr fünf Knöpfe für den Poloausschnitt. Ich habe die schönen Knebelknöpfe aus dem Schwarzwald von Franz Friedl Holzwaren aus Affalterbach bei Dawanda gefunden.

Für die Maschenprobe ergaben 20 Maschen und 25 Reihen im Tropfenmuster gestrickt ein Quadrat von 10 auf 10 Zentimeter. Ihr braucht diese Maschenprobe, wenn ihr ein anderes Garn verarbeiten oder den Pullover in einer anderen Größe stricken wollt: Diese Maße gebt ihr nämlich in den Maschenrechner ein – er kalkuliert danach für jedes Breiten- und Höhenmaß die notwendigen Maschen und Reihen. Im Beispiel werden 104 Maschen für 52 Zentimeter Breite von Vorder- und Rückenteil empfohlen.

Schnitt und Stricktechnik für den Wollpullover

#Pulloverschnitt von #Knitulator

Grade Linien vereinfachen den Schnitt: Hier hat der Pullover statt dem Schal- einen Polokragen

Der Pulloverschnitt ist einfach: In die geraden Armausschnitte passen sich die Ärmelkanten ein. Bis dahin werden Vorder- und Rückenteil in Runden gestrickt, danach getrennt beendet: das Rückenteil gerade, im Vorderteil sind mittig Maschen für den Poloausschnitt und später weitere Maschen für einen Halsausschnitt abzuketten.

Weil Polokragen meist offen getragen werden, wurden die Blenden doppelt und in der Doubleface-Technik gestrickt: Das hört sich schwieriger an, als es ist: Dafür werden doppelt so viele Maschen als eigentlich notwendig aufgenommen und als Vorder- und Rückseite wechselweise abgestrickt abgehoben. Die Schnittzeichnung links zeigt das Modell – die Zahlen und Buchstaben verweisen auf die Maße, die ihr mit Knitulator berechnen könnt und die ihr am besten von einem gut sitzenden Pullover abnehmt.

Alle Bündchen werden mit Rippen gearbeitet: 2 rechte und 2 linke Maschen im Wechsel, mit der kleineren Nadel: hier eine 4,5-Rundstricknadel.

Knitulators Rapport für das Tropfenmuster

Feine Struktur: Nach ein paar Mustersätzen geht das Mitzählen wie von selbst. Die ersten 12 Maschen ständig wiederholen

Das Strukturmuster entsteht, wie der Musterrapport rechts zeigt, durch den Wechsel von linken und rechten Maschen. In den Runden wird jede zweite Reihe rechts, sonst in den Rückreihen durchweg links gestrickt. Dadurch entsteht auf der Vorderseite das Kraus-Rechtsmuster. Die Maschenzahl sollte durch 12 teilbar sein, der Rapport wird von der 1. bis zu 12. Masche fortlaufend wiederholt.

Tipp: Legt ein paar konstrastfarbige Fäden bereit, damit könnt ihr den Anfang und die Mittelsmaschen der Runden markieren, aber auch die Reihen, die ihr für die Höhe braucht.

Den Pullover stricken

Und so legt ihr los: Für 50 Zentimeter Bundbreite mit der Rundstricknadel 192 Maschen anschlagen und 20 Reihen (= 8 Zentimeter) Rippen stricken.
Die nächste Reihe rechts stricken, dabei jede 8. Masche verdoppeln: 2 x 54 Zentimeter oder 216 Maschen. Achtung: Die Maschenzahl muss durch 12 teilbar sein oder sollte an den Seiten ausgeglichen werden. Markiert die Anfangs- und Endmasche und auch die beiden Mittelsmaschen: Das sind die Seiten des Pullovers.
Beginnt mit dem Muster und strickt 44 Zentimeter (hier: 95 Reihen) gerade in die Höhe.
Möglichst in einer Rechtsreihe für die Armausschnitte an beiden Seiten jeweils 12 Maschen abketten: Beginnt das Abketten erst um die Mittelsmasche und mascht die sechs Maschen um End- und Anfangsmasche zusammen ab. So erspart ihr euch das Vernähen von Fäden.
Nun die insgesamt 96 Maschen des Rückenteils in Reihen weiterstricken und dabei im Muster bleiben. Achtung: Hier sind für die Rückreihen linke Maschen nötig. Nach 20 Zentimeter (hier 75 Reihen) alle Maschen locker abketten, am besten wieder in einer linken Reihe.

Knitulators Tropfenmuster

Tropfen oder Rauten und Rippen ergeben ein Strukturmuster

Vorderteil: Nun mit den 96 still gelegten Maschen des Vorderteils 8 Zentimeter (hier: 20 Reihen) im Muster weiterarbeiten. In einer Rückreihe die mittleren acht Maschen gerade abketten und die beiden Seiten getrennt von einander oder gleichzeitig, aber mit verschiedenen Knäulen beenden.
Nach 13 Zentimetern (hier: 30 Reihen) für den Halsausschnitt an der mittleren Kante in jeder zweiten Reihe erst 6, dann vier Maschen und zwei Maschen abketten. Danach noch zwei mal in jeder 4. Reihe eine Masche zusammenstricken. Mit den Schultermaschen (30 für 15 Zentimeter) noch fünf Zentimeter (hier: 11 Reihen) arbeiten und locker abketten.
Das andere Vorderteil gegengleich arbeiten.

Ärmel: Maschen für 16 Zentimeter (hier: 38 Maschen) anschlagen und acht Zentimeter Rippen stricken.
Die erste Reihe als Rückreihe links stricken und dabei gleichmäßg verteilt 5 Zentimeter (hier: 12 Maschen) zunehmen: 50 Maschen.
Nun im Muster weiterarbeiten, für die Ärmelschräge an beiden Seiten 12 Mal in jeder 6. Reihe und 3 Mal in jeder 12. Reihe eine Masche zunehmen und ins Muster integrieren (80 Maschen für 40 Zentimeter)
Nach 51 Zentimetern (hier: 128 Reihen) die Maschen locker abketten.

Ausarbeiten und Ausschnitt: Schulternähte schließen.
Aus dem Halsausschnitt (nur die obere Kante von Rücken und Vorderteilen, noch nicht die gerade Kante) für die doppelt gestrickte Blende insgesamt 210 Maschen oder 2 x 105 (52 Zentimeter) mit zwei Rundstricknadeln aufnehmen, und zwar so:
Mit der ersten Rundstricknadel von der Vorderseite eine Masche auffassen, auf der Rückseite die zweite Rundstricknadel (sie kann kleiner sein) anlegen und den Faden um diese Nadel legen. Dann wieder vorne eine Masche auffassen und den Faden um die zweite Nadel legen. Tipp: Am Anfang glitschen die Nadeln oft weg, aber wenn ihr mit einer Häkelnadel arbeitet, geht’s besser und mit jeder Masche sowieso leichter.

Polokragen stricken mit Knitulator

Doubleface-Strick verschönert die Kanten

•  Auf jeder Nadel liegen 105 Maschen, sie werden nun rechts abgestrickt und dabei auf eine Nadel genommen, und zwar so: Ihr strickt die erste Masche der Rückseite rechts ab und hebt die erste Masche der Vorderseite ungestrickt wie zum Linksstricken ab, der Faden verläuft vor der Masche, die nächste Masche innen wieder rechts und die nächste der Vorderseite wieder ungestrickt abheben. Auf diese Weise strickt ihr die Maschen der Innenseite ab und hebt die Maschen der Außenseite ungestrickt auf die Nadel. Am Ende die Arbeit wenden und jetzt die erste Maschen der Vorderseite rechts stricken, die Maschen der Rückseite ungestrickt wie zum Linksstricken abheben. Der Faden muss immer vor den abgehobenen Maschen liegen.
Auf diese Art arbeitet ihr insgesamt vier Reihen auf jeder Seite, danach wechselt ihr zum Rippenmuster: Dafür wird eine Masche rechts gestrickt, eine Masche ungestrickt abgehoben, wieder eine rechte Masche, eine ungestrickt abheben, dann eine linke Masche stricken, wieder eine Masche ungestrickt abheben, wieder eine linke Masche …..
Das Gestrickte wird bei der Doublefacetechnik fester – nehmt also die größere der Rundstricknadel für die Blende.
20 Reihen auf beiden Seiten im Rippenmuster arbeiten, danach die Maschen abketten – und dabei die Maschen der Vorderseite mit ihren Pendants auf der Rückseite zusammenstricken.

Knopfloch-Blende: Auf die gleiche Art werden die Blenden für den Poloausschnitt gearbeitet.
Aus der rechten Ausschnittkante (22 Zentimeter = 44 Maschen) insgesamt 90 Maschen aufnehmen, 45 auf der vorderen, 45 auf der hinteren Nadel.
Auf die oben beschriebene Weise beidseitig drei Zentimeter (hier: 12 Reihen) glatt rechts stricken und die Maschen von Vorder- und Rückseite zusammen abketten.
Aus der linken Kante von vorne und hinten ebenfalls zwei Mal 45 oder 90 Maschen aufnehmen und glatt rechts stricken. Dabei in der sechsten Reihe (Vorderseite) für die Knopflöcher in regelmäßigen Abständen jeweils vier Maschen von Vorder- und Rückseite abketten und in der Rückreihe insgesamt acht Maschen neu anschlagen. Sie werden in den folgenden Reihen wie gewohnt im Wechsel abgestrickt.
In der 13 Reihe die Maschen der Vorder- und Rückseite gemeinsam abketten.
Knöpfe annähen.
Den Pullover anfeuchten oder waschen und in Form ziehen: Fertig.

Einen schönen Herbst, wünsche ich: Und wenn ihr bald anfangt, bekommt ihr den Pullover auch noch zu Weihnachten fertig. Da kommt doch Freude auf!

Bei den mit einen * gekennzeichneten Link handel es sich um einen Partnerlink. Bestellt ihr darüber, zum Beispiel bei Amazon, erhalte ich eine paar cent Provision für meine Empfehlung. Am Kaufpreis ändert das aber nichts. Die Garne, die ich für meine Anleitungen verarbeite, habe ich selbst zum regulären Preis gekauft.

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