Das war ein wunderbares Geschenk von meinem Onkel: Zwei 100-Gramm-Stränge knallrotes Garn aus 80 Prozent Alpaka und 20 Prozent Seide. Luxus zum Stricken oder Häkeln und superweich. Aber was aus diesem leicht glänzenden Garn machen? Dreieckstücher sind gerade groß im Kommen. Das Material dafür nahm außerdem nicht viel Platz im Koffer ein – und mit diesen Gedanken war schin ein Projekt geboren für den Urlaub. Das Tuch entstand im Oktober in Teneriffa in etwa zwei Wochen (intensives Sightseeing und Baden waren da auch noch drin).

Dreiecktücher sind eine wunderbar entspannende Arbeit zum Stricken und zum Häkeln. Nach ein paar Reihen gehen die Zunahmen wie von selbst von der Hand. Außerdem sind sie ein wunderbares Geschenk für Mütter, Freundinnen oder Schwestern, selbst bei Männern und Kindern kommen Dreiecktücher gut an: Ein Grund, warum ich euch jetzt vor Weihnachten das Dreicktuch vorstelle und erkläre, wie ihr eure eigenen machen könnt.

So werden Dreiecktücher gestrickt

Dreiecktücher können auf unterschiedliche Art und Weise gearbeitet werden: entweder von einer der beiden seitlichen Spitzen aus, dann werden nur an einer Seite regelmäßig Maschen zu- und – wenn die Höhe oder Spitze erreicht ist – wieder im gleichen Rhythmus abgenommen. Auch von der Spitze aus können Dreiecktücher begonnen werden, in diesem Fall sind Zunahmen an beiden Seiten zu einzuplanen. Dieses Tuch beginnt in der Mitte der oberen Kante mit 5 Maschen, die Zunahmen werden zu beiden Seiten und in der Mitte der Reihe vorgenommen: So entsteht ein Dreieck, dessen Größe jeder selbst bestimmen kann. Dieses hier ist 56 Zentimeter hoch und 150 Zentimeter lang oder breit – es liegt damit gut über der Schulter, die Spitze reicht bei mir bis etwa zur Taille, und das Tuch lässt sich außerdem mehrfach um den Hals schlingen.

Inklusive der Fransen – Achtung, dafür solltet ihr ausreichend Garn übriglassen – habe ich etwa 150 bis 170 Gramm verbraucht: 100 Gramm Alpaka-Seiden-Wolle  wiesen eine Lauflänge von rund 400 Metern auf, das ist sehr ergiebig, sie wurde für Nadeln 3 oder 3,5 empfohlen. Ich habe stattdessen mit Nadeln Nr 4 gearbeitet – weil ich erstens fester stricke und zweitens ein lockeres, luftiges Tuch haben wollte. Das unterstützen die Lochmusterreihen zusätzlich, die kraus rechts gestrickte und glatte Streifen unterbrechen. Eine Maschenprobe und Umrechnen ist bei Dreieckstücher eigentlich nicht nötig: Ihr hört dann auf, wenn das Tuch groß genug ist. Bei meinem Garn ergaben 18 Maschen und 45 Reihen in Kraus rechts ein Quadrat von 10×10 (Achtung: Kraus rechts zieht sich mehr zusammen als glatt rechts).

Einige Tipps vorneweg: Markiert die mittlere Masche, gerade wenn ihr Lochmuster in euer Tuch arbeitet. So könnt ihr besser erkennen, wo ihr in der Mitte zunehmen müsst. Bei Lochmustern irrt man sich leicht.
Arbeitet Dreieckstücher besser mit Rundstricknadeln, so könnt ihr die Zunahmen besser händeln, zumal in den letzten Reihen bei dünner Wolle durchaus mal 300 bis 500 oder mehr Maschen zusammenkommen (hier waren es über 300 Maschen). Ihr könnt das Tuch trotzdem gut abmessen, wenn ihr zum Messen die Hälfte der Masche auf eine zweite Rundnadel exportiert. So jetzt aber ran an die Nadeln und die Arbeit.

Rippen, Reihen und Löcher stricken

Lochmusterreihen und Rechtsstreifen strukturieren das Dreiecktuch von Knitulator

Die Vorderseite: Lochmuster und Streifen in Glatt und Kraus geben dem Dreiecktuch seine Struktur

Dieses Tuch hat eine kleine Musterfolge aus krausen und glatten Streifen und Lochmusterreihen. So gewinnt es an Struktur und wird zarter, luftiger, leichter.

Die Musterfolge:
Nach den ersten 16 Reihen kraus rechts (Hinreihe rechte Maschen, Rückreihe rechte Maschen) folgen sechs Reihen Lochmuster. Dafür werden in einer Hinreihe im Wechsel ein Umschlag und zwei Maschen rechts zusammen gestrickt. Zur Spitze hin werden die Maschen rechts verschränkt zusammengestrickt, von der Spitze weg dagegen rechts. In der Rückreihe alle Maschen links stricken.
Es folgen zehn Reihen glatt rechts (Hinreihe rechte Maschen, Rückreihe linke) und wieder ein Lochmusterstreifen aus 6 Reihen
Zehn Reihen kraus rechts plus ein Lochmusterstreifen
Zehn Reihen glatt rechts plus Lochmuster
30 Reihen kraus rechts plus Lochmuster
Danach beginnt die Rippen-Folge  wieder von vorne.

Hier wurden nach der zweiten großen Krausrippe von 30 Reihen noch zwei Reihen Lochmuster und 6 Reihen kraus rechts gestrickt und danach alle Maschen locker abgekettet: Mit dickeren Garnen braucht ihr deutlich weniger Reihen um auf die gewünschte Höhe und Breite zu kommen – lasst dann, wenn ihr ein luftiges Tuch wollt, die breiten Krausrippen weg.

Rückseite von Knitulators gestricktem Dreieckstuch

Rückseite: Auf der Rückseite zeigen sich unterschiedlich starke Rippen

Tipp: Statt Lochmusterreihen und dem Wechsel aus glatten und krausen Rippen könnt ihr Dreicktücher auch mit anderen Mustern stricken: Mit farbigen Streifen zum Beispiel, kraus rechts aus bunt gefärbten Verlaufsgarnen, mit Einstrickmustern oder auch mit Strukturen von Perl- und Zopfmustern. In diesem Fall solltet ihr die Muster immer von der Spitze aus planen und einrichten. Aber beachtet dabei: An der Mittelsmasche und an der oberen Kante entstehen bei dieser Technik durch die Zunahmen immer Lochreihen.

Zum Start nur wenige Maschen

Nach all diesen Erklärungen geht’s jetzt endlich los mit dem Stricken.
5 Maschen anschlagen und zwei Reihen rechts stricken
In der 3. Reihe links und rechts der Mittelsmasche eine Masche zunehmen: Entweder aus einer Masche drei Maschen rechts herausstricken oder links und rechts der Masche aus dem Querfaden der Vorreihe jeweils eine Masche rechts herausstricken oder links und rechts der Mittelsmasche einen Umschlag platzieren und diese beiden in der nächsten Reihe abstricken.
In der 5. und 7. Reihe und in allen weiteren Hinreihen auf die gleiche Art 2 Maschen in der Mitte zunehmen und die Mittelsmasche mit einem Markierer hervorheben.
In der 9. Reihe beginnen zusätzlich die seitlichen Zunahmen: Dafür nach der Randmasche und drei Maschen rechts einen Umschlag arbeiten, im Muster weiterstricken, die Reihe endet mit einem Umschlag, drei Maschen rechts und der Randmasche.
Auf diese Weise werden in jeder Hinreihe insgesamt vier Maschen zugenommen: So entstehen längs der Mittelsmasche sowie an der oberen Kante Lochreihen. Auch in den glatt rechts gestrickten Reihen habe ich als einheitlichen Rand die ersten drei Maschen immer kraus rechts gestrickt.
Nach der ersten breiten Krausrippe, also nach 100 Reihen habe ich die Zunahmen in der Mitte reduziert und nur noch in jeder vierten Reihe oder zweiten Hinreihe zugenommen. Dadurch wurde das Tuch flacher, wenn ihr in jeder Reihe mittig zunehmt, gewinnt das Dreieck an Höhe.
Nach insgesamt 192 Reihen oder wenn eure gewünschte Höhe erreicht ist, alle Maschen locker abketten.

Fransen schneiden und einknüpfen

Dreiecktuch mit Fransen von Knitulator

Fransen in die Seitenkanten knüpfen: Dabei hilft eine Häkelnadel

Das Tuch anfeuchten oder waschen und zum Trocknen in Form ziehen und spannen: Das geht auf Teppichböden sehr gut mit Stecknadeln oder ihr besorgt euch eine ausreichend große Styroporplatte. Da das Tuch symmetrisch ist, könnt ihr es entlang der Mittelsmasche falten und beide Seiten gemeinsam spannen – so braucht ihr weniger Platz.

In der Zwischenzeit Fransen wickeln und zuschneiden. Ihr braucht dazu eine Häkelnadel, eine Schere, Garn und stabile Pappe, die so breit ist, wie eure Fransen lang sein sollen. Hier messen sie acht Zentimeter und entstanden mit Hilfe von Bierdeckeln. Ihr könnt auch ein Frühstücksbrettchen nehmen.

So werden die Fransen gemacht:
Garn um die Pappe, das Brettchen oder die Bierdeckel wickeln.
An einer Seite die gewickelten Fäden aufschneiden.
Jeweils drei, vier, fünf oder mehr Fäden zur Mitte legen und mit der Häkelnadel in regelmäßigen Abständen in die schrägen Kanten des Dreieckstuchs knüpfen: Dazu mit der Häkelnadel durch eine abgekettete Masche stechen, die Mitte der Fäden heranholen und durchziehen, danach die Fransenenden durch die entstandene Schlaufe ziehen.
Die Bildergalerie unten zeigt das Fransenschneiden nochmal Schritt für Schritt.

Viel Spaß beim Machen.

Fransen machen mit Knitulator

Für Fransen braucht ihr Garn, Pappe oder Bierdeckel, Schere und Häkelnadel

Fransen machen mit Knitulator

An einer Kante das  Garn aufschneiden. Mehrere Fäden zusammen in die Kante knüpfen

Fransen machen mit Knitulator

Um die Bierdeckel oder Pappe Garn wickeln, besser nicht zu fest, aber auch nicht zu locker

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