Sommer ist Geburtstagszeit: Dieses Jahr bekommen Freunde einen schicken Sommerhut. Den wollte ich aus einem Garn häkeln, das Standfestigkeit beweist und nicht wie Textilgarn eher einen dehnbaren und weichen Mützenhut ergibt. Bast erschien mir beim Einkaufen zu weich, das Papiergarn anfangs zu dick. Aber es hat geklappt: Mit Papier und einer deutlich kleineren Nadel als angegeben, bekam ich den runden Hut mit breiter Krempe und einen Feodora hin. Die Krempe steht, der Hutschaft auch. Aus bunten Baumwollresten sind wiederum die Bänder und Verzierungen gemacht.  Der Steinbock, der die Hüte ansprechend präsentiert, findet sich übrigens in Jochberg bei Kitzbühel.

Material für Knitulators Sommerhüte

Das Papiergarn ist von Rico, es gibt davon 14 Uni- und vier Melange-Farben. Es soll mit nadeln Stärke 5 oder 6 verarbeitet werden, das ergibt aber sehr löchrige Stücke. Für die Hüte habe ich zu einer Vierer-Häkelnadel gegriffen, das gab dem Garn einen guten Stand und Festigkeit. Allerdings: Papiergarn mit der kleineren Nadel zu häkeln, ist anstrengend. Ihr solltet daher auf einen guten Sitz achten, immer mal wieder Pausen einlegen – sonst schmerzen Arme und Schultern.

Für beide Hüte wurden jeweils 150 Gramm Papiergarn verarbeitet. Der blaue Papierhut ist mit halben Stäbchen und ganz rund gearbeitet, der Feodora-Hut basiert auf einem leichten Oval, einem höheren Schaft und einer schmalen Krempe. Für diese sind verkürzte Reihen zu häkeln. Fangen wir an.

Knitulators Sommerhuete aus Papiergarn

Runde Sache: Der Sommerhut ist in halben Stäbchen und in insgesamt 17 Runden gearbeitet

Einen knallblauen Hut häkeln

Der Sommerhut in Blau hat einen Innendurchmesser von 56 Zentimeter, die Krempe ist neun Zentimeter breit, die Hutkugel misst von der Mitte aus 16 Zentimeter. Der Hut ist mit halben Stäbchen gearbeitet: eine Schlinge auf die Nadel nehmen, einstechen und den Faden durch alle drei Schlaufen ziehen. Die Streigen entstehen, weil beim Arbeiten in Runden in die hinteren Maschengleder eingestochen wurde. Jede Reihe beginnt mit zwei Luftmaschen, die NICHT mitgezählt werden, und endet mit einer Kettmasche, die ebenfalls nicht zählt. So wird der Hut gehäkelt:

In einen Fadenring 8 Halbe Stäbchen (HST) arbeiten, die Runde zusammenziehen und mit einer Kettmasche (KM) schließen.
Zwei Luftmaschen häkeln und jede Masche der Vorreihe verdoppeln, dabei wie schon beschrieben in die hinteren beiden Maschenglieder einstechen. Mit einer KM die Runde schließen.
In der nächsten Runde jede zweite Masche verdoppeln, danach jede 3., jede 4., die 5., die 6. und die 7. Masche verdoppeln. So entsteht ein runder Teller von 72 Maschen, der 16 Zentimeter misst. Wollt ihr einen kleineren Hut – etwa für Kinder häkeln –  müsst ihr weniger Reihen und einen kleineren Teller arbeiten. Soll der Sommerhut größer werden, arbeitet ihr nach dem Zunahmeprinzip noch eine oder zwei Reihen mehr.

Die nächsten acht Runden werden ohne Zunahme gehäkelt, so entsteht die Hutkugel.

Danach beginnt die Krempe: Dafür die neunte Reihe wieder ohne Zunahme arbeiten, dabei aber für den Knick nur ins mittlere Maschenglied der Vorrunde einstechen. Alle folgenden Reihen habe ich mit einer Nadel Nr. 5 gearbeitet – weil die Krempe durchlässiger sein darf, wenn ihr eher locker häkelt, bleibt bei der Vierer-Nadel.
In der nächsten Reihe jede 8. Masche verdoppeln.
Danach jede 6. Masche verdoppeln.
Eine Reihe ohne Zunahme zwischenschalten
Wieder jede 8. Masche verdoppeln
Eine Reihe ohne Zunahme.
In der nächsten Runde jede 10. Masche verdoppeln
Danach jede 11. und zum Schluss nochmals jede 8. Masche verdoppeln.
Die Runden gehen nicht auf – auch wenn die Abstände manchmal kleiner waren, wurde hier immer die letzte Masche vor der KM verdoppelt. Zieht beim Arbeiten die Krempe immer wieder glatt, sollte sie sich zu stark wellen, solltet ihr die Zunahmen reduzieren und eine Reihe ohne einlegen.

Den Hut an der Innenkante und die Krempe in Form dehnen, auf eine grade Fläche legen und eine Nacht ruhen lassen. Für die Verzierung habe ich das Dekorband der Filztasche mit einem Melange-Baumwollgarn und einer Nadel Nummer 3 sowie eine Sonnenblume gehäkelt: Fertig ist ein schicker Hut für Garten, Balkon und Sommerpartie.

Knitulators Sommerhuete aus Papiergarn

Mit dem richtigen Kniff: Feodora-Hut aus Papiergarn und in festen Maschen

Den Feodora-Hut häkeln

Mit einem Oval als Grundform, einem etwas höheren Schaft und einer kleineren Krempe wird aus dem mondänen Sommergut ein Herren- oder Feodorahut. Der innere Rand misst hier 60 Zentimeter, die Krempe vorne sieben und hinten 5 Zentimeter, der Schaft ist 10 Zentimeter hoch. Auch hier wurden 150 Gramm Papiergarn, allerdings in Schwarz verarbeitet – und zwar mit festen Maschen. Hilfreich sind beim Häkeln des Ovals vier Maschenmarkierer.

Let’s go: Jede Reihe beginnt mit einer Luftmasche und endet mit einer Kettmasche, die nicht zählen.

In einen Fadenring 8 Feste Maschen (FM) häkeln, die Runde zusammenziehen und mit einer KM schließen.
Eine LM häkeln und danach jede Masche verdoppeln
Danach 2 Maschen (M) verdoppeln, vier M. ohne Zunahme arbeiten, 4 M. verdoppeln, 4 M ohne Zunahme, 2 M verdoppeln: Aus den M. ohne Zunahme entstehen die beiden Seitenteile, die die Runde zum Oval wachsen lassen. wenn ihr mit dem Zählen nicht so gut zu Rande kommt, markiert ihr die erste und die letzte Masche, die ohne Zunahmen gearbeitet werden. Es geht in der oben beschriebenen Weise weiter.
In der nächsten Reihe 2 x jede 2. M. verdoppeln, 4 M. ohne Zunahme, 4 x jede 2. M verdoppeln, vier M. ohne Zunahme, 2 x jede 2 M verdoppeln
Danach: 2 x jede 3. Masche verdoppeln, 4 M. ohne Zunahme, 4 x jede 3. Masche verdoppeln, vier M ohne Zunahme, 2 x jede 3. M.
Nächste Reihe: Wie vorher 2 x jede 3. M. verdoppeln, dann aber 8 Maschen ohne Zunahme arbeiten, 4 x jede 3. M. verdoppeln, 8 ohne Zunahme arbeiten , 2 x jede 3. M verdoppeln. Bei bedarf: Die Markierer versetzen.
Nächst, die 7. Runde: 2 x jede 4. M. verdoppeln, 8 M ohne Zunahme, 4 x jede 4. M. verdoppeln, 8 ohne Zunahme, 2 x jede 4. M. verdoppeln.
8. Runde. 2 x jede 4. M. verdoppeln, 12 M. ohne Zunahme und die Markierer versetzen. 4 x jede 4. M. verdoppeln, 12 M. ohne Zunahme, 2 x jede 4. M verdoppeln.
9. Runde. Ganz ohne Zunahmen häkeln – es sind insgesamt 64 Maschen. Wenn ihr für einen größeren Kopf den inneren Rand des Schaftes vergrößern wollt, solltet ihr noch ein oder zwei Runden nach dem beschriebenen Prinzip zunehmen.
10 Runde: Jede 8. M. verdoppeln. jetzt habt ihr 72 M. zum Arbeiten.
Die elfte Runde wieder ohne Zunahme häkeln. So entsteht eine Platte, die 18 Zentimeter lang, und an der breitesten Stelle 15 Zentimeter breit ist.

Für einen guten Knick oder eine klare Kante werden in der nächsten Runden die FM der Vorrunde umhäkelt, ihr stecht also nicht wie gewohnt in die Maschenglieder ein, sondern in die Zwischenräume, und zwar von hinten in den ersten nach vorne in den nächsten: so als ob ihr Reliefstäbchen arbeiten wollt, allerdings bleibt ihr bei FM.
In der nächsten Runde nehmt ihr 4 M zu, indem ihr die 9, 27., 45., und 63 M verdoppelt: 76 Maschen. So bleibt der Rundenanfang in der hinteren Mitte. Ihr werdet merken: Das Oval wellt sich, aber das ist auch so gewollt.
Danach 14 Runden oder 10 Zentimeter ohne Zunahme arbeiten.

Für den richtigen Knick und den Anfang der Krempe häkeln wir jetzt wieder um die FM der Vorrunde herum, stechen dabei allerdings von vorne und nach hinten ein. Ihr seht die Richtung sofort.
Danach in der nächsten Runde zunächst jede 8. M und die letzte M verdoppeln: 86 M
Danach starten die verkürzten Reihen, damit die Krempe vorne breiter als hinten wird.
Ohne Zunahme 70 Maschen überhäkeln, dann wenden und am Ende der Reihe wieder 16 M. unbehäkelt lassen, wenden und ohne Zunahme die Runde fertig arbeiten. Die am ersten Wendepunkt entstandene Kante mit zwei halben Stäbchen überwinden.
In der nächsten Runde werden jede 5. M und die letzte M. verdoppelt. Der zweite Wendepunkt wird außerdem wieder mit zwei halben Stäbchen überwunden.
Die nächste Runde wieder ohne Zunahme arbeiten. Falls ihr die Krempe vergrößern wollt, häkelt ihr mehr Runden und nehmt so viele M. zu, dass die Krempe sich nicht nach  innen biegt oder wellt.

Fäden reinziehen und abschneiden. Der Männer- oder Feodora-Hut wird jetzt noch in Form gebogen und gepresst: An der vorderen Mitte solltet ihr den typischen Kniff und eine Kante einknicken. Feste zupacken – das Papiergehäkel lässt sich formen, ein bisschen warme Feuchtigkeit (Dampfbügeleisen) und ein Föhn können das unterstützen.

Zur Zierde dieses Papierhutes habe ich aus Resten von Topflappengarnen ein Band aus dem Muster gearbeitet, das ich euch für die Gürtel aus Gartenschnur vorgestellt habe: Statt Stäbchen habe ich halbe Stäbchen gearbeitet, mit beigem, blau-türkis-melierten und türkisem Garn.

Viel Spaß beim Nacharbeiten, Tragen und Verschenken der Sommerhüte. Und falls ihr Varianten fabriziert (vielleicht mit Lochmustern an Krempe und Schaft), dann postet die doch bei Knitulators Facebookseite.